7 Wörter Ruhm: Wie ein Tweet 350.000 Menschen erreichte – Einblick in die Twitter-Statistik

Medienmenschen müssen übertreiben. Das ist im Blut. Durch die gleiche Blutbahn fließen in der Regel auch ein paar Zellen Selbstdarstellung. Der Artikel soll nicht mit Zahlen prahlen – es geht vielmehr darum aufzeigen, wie Kommunikation heute funktionieren kann. Zudem soll er einen Einblick in die Twitter-Statistik geben, die auch für mich neu ist. Ob mein Tweet wirklich 350.000 Menschen erreicht hat, vermag ich nicht zu sagen. Rechnerisch ist das möglich.

Worum geht es? Am 26. November fand ich in meinem Handy ein älteres Foto mit einem vermeintlichen Mozart-Zitat. Das verband ich mit dem Medium Twitter und postete es um 9 Uhr morgens. Das Ergebnis sieht heute so aus:

 

Zahlen und Fakten

Es sollte mein bis dato erfolgreichster Tweet werden. In nur 24 Stunden wurde der Beitrag, der aus nur sieben Wörtern und dem Bild bestand, fast 900x retweetet und über 1300x favorisiert. Bei Twitter selbst hat der Tweet über 50.000 Impressionen verursacht. In anderen sozialen Netzwerken wurde er ebenfalls aufgenommen und verbreitet. So veröffentlichte das Magazin der Süddeutschen Zeitung das ganze bei Facebook, 300.000 Fans hat die dortige Fanpage. Es gab hier knapp 10.000 Likes und über 1.300 Shares. Nicht jeder Fan des Mediums wird den Post gesehen haben (Stichwort Facebook Algorithmus) aber durch das Teilen an Kontakte, die nicht Fan sind, steigt die Reichweite erneut.

Die komplette Statistik des Tweets (anklicken zum Vergrößern)

Die komplette Statistik des Tweets (anklicken zum Vergrößern)

 

Wie gelingt Kommunikation im Social Web?

Fernab der Zahlenklauberei zeigt das: ein kurzer, witziger Tweet kann manchmal mehr erreichen, als die Anzeige in einer lokalen Zeitung. Und der Tweet ist kostenlos. Wenn Organisationen es also schaffen, nicht Werbemitteilungen zu posten sondern die eigenen, inhaltlichen Botschaften mit kurzen und knackigen Botschaften zu verknüpfen, kann das im Social Web Anklang finden. Das Unternehmen SIXT macht es seit Jahren vor, indem es aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse mit dem eigenen Angebot humorvoll in Verbindung bringt.

Man muss wissen: Twitter erreicht keine Massen, wenn man es mit dem Fernsehen, der Tageszeitung oder auch Facebook vergleicht. Die User sind jedoch lt. Statistiken oft hoch gebildet, gut vernetzt und können damit als sogenannte „Entscheider“ bezeichnet werden. Und das obwohl die Sprache und auch die Kommunikation auf Twitter oft eben nicht seriös und geschäftlich ist. Es wird von Flausch und Einhörnern gesprochen, es gibt die Zahl „drölf“ und der Hashtag #Tatort gehört Sonntagabend zu den populärsten. Wer das Medium verstehen will, muss ein Teil davon werden, muss zuhören, sich dazugesellen.

Der Medientheoretiker Marshall McLuhan hat bereits vor Jahrzehnten gesagt: „Die Leute lesen nicht wirklich in der Zeitung. Sie steigen jeden Morgen in sie ein wie in ein heißes Bad.“ In diesem Sinne: Baden Sie in Twitter! Einsteigen, genießen, schrumpeln. Nur so lernt man. Erst dann sollte man eigene Botschaften in den Äther pusten. Idealerweise in der Sprache der Twitteristi und ohne werblichen Zusammenhang. Auch SIXT macht Werbung, sie steht aber nicht im Vordergrund (Bzw. steht sie so deutlich im Vordergrund, dass sie schon wieder im Hintergrund funktioniert:)

Was bringt’s?

Nun müssen wir doch nochmal zurück zu den Zahlen. Gerade die zahlenaffinen Menschen in Organisationen hecheln ja nach KPIs, nach belastbaren Beweisen für den kommunikativen Erfolg. Da gute Kommunikation Geld kostet, ist dies auch berechtigt. Die Statistik bei Twitter sagt auch aus, wie viele Menschen sich das eigene Profil angeschaut haben und welche Anzahl neuer Follower der einzelne Tweet hervorgebracht hat. In meinem Fall sind es ca. 185 Profilaufrufe und genau 11 neue Follower. Das zeigt auch, wie aufwändig und schwer es ist, neue Anhänger zu gewinnen. Hier hilft nur Geduld, kaufen sollte man Fans und Follower auf keinen Fall.

Fazit

Kann man was mitnehmen? Man kann. Dass Bilder und Videos im Social Web gut funktionieren. Dass Humor funktioniert. Dass durch virale Effekte eine kurze und knackige Botschaft sehr schnell sehr viele Menschen erreichen kann. Dass es einen Weg von den sozialen in die klassischen Medien gibt. Dass man sich nicht selbst zu ernst nehmen darf. Dass man die Sprache dem jeweiligen Medium anpassen sollte. Und dass man den Erfolg eines Tweets nur bedingt planen kann. Neun von zehn Tweets werden vielleicht wenig Anklang finden. Der eine geht dann mal durch die Decke. Muss man so hinnehmen.

Wer die Twitter-Statistik ausprobieren will, klickt im eingeloggten Zustand einfach mal auf https://analytics.twitter.com

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