Marke oder Unternehmen – Was darf in die Wikipedia?

Gastbeitrag von Markus Franz

Wikipedia ist eine Enzyklopädie. Was den meisten Lesern zumindest ansatzweise bekannt sein dürfte, wird in den Marketing- und PR-Teams von Unternehmen allzu oft vergessen. Was dort als relevant angesehen wird, hat meist nicht viel mit der Welt der Wikipedia zu tun. Dabei sind die Regeln eigentlich ganz einfach.

Derzeit gibt es über 1.600 verifizierte Benutzer in Wikipedia. Meist handelt es sich dabei um Unternehmen, die freiwillig ihre Anonymität aufgeben, um ihre Mitarbeit am Projekt transparent zu machen und so dem Vorwurf der Manipulation zu entgehen versuchen. Allerdings stößt diese Benutzergruppe auf wenig Gegenliebe in der Community, man beobachtet die Änderungen der bezahlten Schreiber mit Argusaugen.

Und das vollkommen zu Recht: Nicht selten unterscheidet sich das, was ein freiwilliger Autor unter „Wikipedia“ versteht, diametral von dem, was Unternehmen in der Enzyklopädie sehen (wollen). Streit zwischen unbezahlten und bezahlten Schreibern entzündet sich meist an der Frage, ob eine Marke oder ein Unternehmen denn nun so relevant ist, dass sie in Form eines eigenen Wikipedia-Artikels erwähnt werden dürfen.

Bei Schwergewichten wie „Siemens“ oder „Deutsche Bank“ stellt sich die Frage nicht, wohl aber bei der kleinen Wohnungsgenossenschaft oder einem Architekturbüro. Wer also wissen will, ob sein (oder ein fremdes) Unternehmen relevant im Sinne der Wikipedia ist, muss zuerst einen Blick auf die sogenannten Relevanzkriterien für Wirtschaftsunternehmen werfen. Dort steht geschrieben, dass mindestens 1.000 Mitarbeiter oder 100 Millionen Euro Umsatz notwendig sind – und Ausnahmen davon werden nur selten zugelassen.

"Wikipedia kennzeichnet Unternehmen nach der Verifizierung. (Bildquelle: Wikipedia)"

Wikipedia kennzeichnet Unternehmen nach der Verifizierung. (Bildquelle: Wikipedia)

Schwieriger wird es, wenn ein bestimmtes Produkt oder eine Marke betrachtet werden soll: Dafür hat Wikipedia nämlich keine klar definierten Einschlusskriterien, sondern nur allgemeine Anhaltspunkte. Wichtig für die Beurteilung, ob eine Marke, ein Produkt oder eine andere Sache relevant ist, sind vor allem zwei Dinge: Erstens muss eine „breite Öffentlichkeitswirkung“ vorliegen. Das bedeutet, dass zwei kleine Berichte in einer Lokalzeitung nicht ausreichen, sondern ein Gegenstand idealerweise im SPIEGEL, der WELT oder einer anderen zuverlässigen und angesehenen Quelle mehrfach und ausführlich thematisiert wurde.

Zweitens muss eine Marke oder ein Produkt auf „zeitüberdauernd“ von Bedeutung sein. Das heißt, dass selbst eine von führenden Medien in den Himmel gelobte Erfindung nicht in Wikipedia erfasst wird, wenn sie nicht über mehrere Monate oder gar Jahre entsprechend öffentlich behandelt wurde. Besonders an diesem Punkt scheitert es bei den meisten Marketing- und PR-Aktivitäten in Wikipedia: Man schafft es zwar, irgendwie öffentliche Bekanntheit darzulegen, kann aber deren Nachhaltigkeit nicht nachweisen.

Im Zweifelsfall gilt die Regel: Wenn ein Unternehmen nicht relevant ist, ist es seine Marke auch nicht. Wer sich trotzdem traut, selbst in Wikipedia aktiv zu werden, sollte sein Vorhaben zuerst im sogenannten Relevanzcheck vorschlagen. Dort prüfen erfahrene Autoren, ob Relevanz tatsächlich vorliegen könnte und ob sich die Mühe lohnt, einen Artikel zu schreiben. Zwar ist streng genommen niemand verpflichtet, tatsächlich auf den dort erhaltenen Rat zu hören – es ist aber auch nicht wirklich ratsam, ihn zu ignorieren.

Ärger und endlose Diskussionen sind dann nämlich vorprogrammiert, und das zu Recht.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Franz. Er arbeitet als geschäftsführender Gesellschafter für Sucomo Consulting. Mit seinem Team hilft er kleinen und großen Unternehmen, die große Welt des freien Wissens und besonders die Wikipedia ein kleines Stück besser zu verstehen.

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